Arztsoftware goes cloud

Das ganze Interview aus doktorinwien 05/2022 mit Amir Moussa von Care01 und Christoph Ruprecht von EQUIP4ORDI über die Entwicklung des Unternehmens und die neuen Angebote.

Arztsoftware goes cloud

Die Ärztekammer-Tochter EQUIP4ORDI erweitert ihr Portfolio: Neben über 50.000 Artikeln, die für den reibungslosen Ordinationsablauf – von der Einwegspritze bis zum High-end Computersystem – nötig sind, ist das ursprünglich als Medizinproduktegroßhandel für Ärztinnen und Ärzte gegründete Unternehmen ab sofort auch Dienstleistungsprovider. So bietet EQUIP4ORDI eine digitale kostenfreie Qualitätssicherung und ganz aktuell auch eine eigene Arztsoftware für Ordinationen. doktorinwien sprach mit Amir Moussa, dem Geschäftsführer von Care01 Ärztesoftware GmbH, und Christoph Ruprecht, Geschäftsführer von EQUIP4ORDI, über die Entwicklung des Unternehmens und die neuen Angebote.

doktorinwien: EQUIP4ORDI ist mittlerweile drei Jahre alt. Ziehen Sie bitte eine kurze Bilanz über die Entwicklung dieses Einkaufsservice für Ärztinnen und Ärzte seit dem Jahr 2019.

Ruprecht: Die von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) damals angekündigte Ordinationsbedarfsauslagerung war die erste Herkulesaufgabe für EQUIP4ORDI. Gegründet, um den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten eine Einkaufsplattform zu bieten, musste binnen kürzester Zeit ein komplettes Sortiment an Produkten, die für den Ordinationsalltag nötig sind, zu günstigen Preisen geschaffen werden. Dann kam plötzlich Corona und die Ordinationsbedarfsauslagerung wurde von der ÖGK auf unbestimmte Zeit verschoben. Wir machten aber weiter und gerade auch durch die Angebote von persönlicher Schutzausrüstung oder Coronatests wurde unser Service von Beginn an sehr gut angenommen. Diese ersten zwei Jahre liefen dann äußerst erfolgreich. In dieser Zeit haben wir das Unternehmen auch neu ausgerichtet. Wir sind von einem ursprünglich reinen Onlineshop zusätzlich zum Dienstleister im Sinne eines Rundumservices geworden. Besonders stolz bin ich darauf, dass EQUIP4ORDI bereits nach drei Jahren alle gewährten Darlehen vorzeitig zurückzahlen konnte.

doktorinwien: Zu Beginn vor drei Jahren konnten Ärztinnen und Ärzte etwa 1000 verschieden Produkte über EQUI P4ORDI beziehen. Das Angebot wurde permanent erweitert. Wie viele verschiedene Produkte gibt es heute und von wo bis wo reicht die Range?

Ruprecht: 2019 sind wir als Medizinproduktegroßhandel in den Markt eingestiegen. Damals mit etwa 1000 verschiedenen Produkten – dem Basisordinationsbedarf wie etwa Verbandsstoffen, Einwegspritzen oder Desinfektionsmitteln. Mittlerweile haben wir unsere Produktpalette auf über 50.000 unterschiedliche Artikel erweitert. Darunter fallen das gesamte Warenverzeichnis 1 im Arzneimittelsegment, der komplette Bürobedarf, Praxiseinrichtungen, unzählige Medizinprodukte, das gesamte Sortiment an IT-Produkten von Apple und aktuell auch verschiedene Dienstleistungsangebote: So zum Beispiel ein News-Service für Ärztinnen und Ärzte, verschiedene Informationsveranstaltungen in unserem Webinar-Format „Praxistalks“, mit „Security4Ordi“ ein eigenes Sicherheitskonzept für Ordinationen, das Qualitätssicherungstool doqist und als neuestes Highlight Care01, eine eigene cloudbasierte Arztsoftware für Ordinationen…

Moussa: …die am neuesten Stand der Technik ist. Denn die bestehenden Systeme sind statisch, auf einen Standcomputer – PC oder Mac – beschränkt, es entstehen Installations- und Wartungskosten und auch jedes neu zu installierende Update verursacht weitere Kosten. Zusätzlich müssen Ärztinnen und Ärzte selbst für Back-ups sorgen und diese auch noch DSGVO-konform sichern. Unser Ziel war daher, ein flexibles, unabhängiges und kostengünstiges System, bei dem es auch möglich ist, mit unterschiedlichen Geräten einzusteigen und zu arbeiten – egal ob mit einem PC im Krankenhaus, einem Tablet in der Ordination oder auch mit dem Mobiltelefon von zu Hause aus. Die neue jüngere Ärztegeneration, die mit Social Media groß geworden ist, erwartet sich diese Flexibilität, aber mit den derzeit am Markt befindlichen Arztsoftwarelösungen für Ordinationen war ein flexibles Arbeiten nicht möglich. Wir haben das mit unserer cloudbasierten Lösung in Care01 geschafft. „Arztsoftware goes cloud“, sozusagen.

doktorinwien: Ist Care01 auch von Kassenarztordinationen nutzbar?

Moussa: Ja, im Jahr 2020 haben wir bereits vom Hauptverband und der Ärztekammer als bisher einziges Unternehmen mit einem webbasierten Arztsoftwaretool die nötigen Zertifizierungen bekommen und somit kann Care01 sowohl von Wahlarzt- als auch von Kassenarztordinationen genutzt werden. Hinter der Entwicklung von Care01 steht ein langer Prozess, der bereits im Jahr 2012 mit Forschung und Entwicklung begann. 2020 bekamen wir dann auch die ISO-Zertifizierung. Bei der mobilen Arztsoftware Care01 fallen keine Installationskosten an, die Nutzerinnen und Nutzer können von überall aus und mit jedem Gerät einsteigen, es ist unserer digitalen Zeit entsprechend vollkommen papierlos. Auch das Patientenmanagement im Ordinationsalltag wird beschleunigt, weil die Patientinnen und Patienten über deren eigene Smartphones kontaktiert und etwa auch Termine so direkt und schnell elektronisch vereinbart werden können. Care01 ist auch das einzige webbasierte System, über das Kassenabrechnungen abgewickelt werden können und an das medizinische Geräte in der Ordination – zum Beispiel Ultraschall oder EKG – direkt verbunden und Untersuchungsergebnisse direkt in den Patientenakt eingespielt werden können.

doktorinwien: Neben Care01 bietet EQUIP4ORDI auch ein neues digitales Qualitätssicherungstool…

Ruprecht: … doqist, ja, damit haben wir einen ziemlich guten Treffer gelandet. Bisher bekamen niedergelassene Ärztinnen und Ärzte immer einen Haufen PDF-Dokumente, die auszufüllen waren – ein unglaublich zeitaufwendiger Prozess, der heutzutage unnötig sein sollte. Dafür haben wir daher eine digitale Lösung entwickelt, mit der die Ärztinnen und Ärzte vom doqist-Programm selbständig durch den Qualitätssicherungsprozess geführt werden und die ganze Sache in 15 Minuten erledigt ist. Die einzige Voraussetzung dafür ist ein Internetanschluss in der Ordination. Für Nutzerinnen und Nutzer von EQUIP4ORDI stellen wir die Möglichkeit der Erstellung aller Qualitätssicherungsunterlagen im Programm doqist übrigens kostenlos zur Verfügung.

doktorinwien: Abschließend möchte ich noch das Thema aggressives Verhalten von Patientinnen und Patienten sowie Begleitpersonen ansprechen. Auch dazu hat EQUIP4ORDI Angebote

Ruprecht: Ungeduld und zunehmende aggressive Verhaltensweisen von Patientinnen und Patienten beobachten wir schon seit Jahren in Ordinationen und Spitalsambulanzen, sie haben aber im Lauf der Pandemie zugenommen. Dem Wunsch vieler Ärztinnen und Ärzte nach Sicherheitsberatung und Sicherheitskonzepten für ihre Ordinationen sind wir nachgekommen und sind eine Kooperation mit dem Sicherheitsunternehmen und Security-Dienstleistungsanbieter ÖWD eingegangen. Das Angebot reicht etwa von sogenannten Notfalltastern, nach deren Auslösung ÖWD-Sicherheitspersonal zur Ordination kommt, über Kameraüberwachung und Lautsprecheranlagen, die mit dem ÖWD verbunden sind und über die der ÖWD direkt virtuell einsteigen kann. Zusätzlich bieten wir Beratungen für Ordinationen an, in denen einfache und effektive Sicherungsmaßnahmen durch Sicherheitsfachleute vermittelt werden. Auf Wunsch gibt es sogar Schulungen für Ärztinnen und Ärzte sowie deren Ordinationspersonal, wie mit aggressiven Patientinnen und Patienten deeskalierend umgegangen werden kann.

 

Der Artikel ist in doktorinwien 05/2022 erschienen und wurde mit freundlicher Erlaubnis übernommen.