Tipps: Hygienemanagement im Praxisalltag

Erfahrungswerte zur Hygiene in der Ordination und hilfreiche Tipps zur Anwendung.

Tipps: Hygienemanagement im Praxisalltag

Aus den Fragestellungen, die im letzten Beitrag erarbeitet wurden und die sich aus der Vielzahl der hygienisch relevanten Anforderungen aus Richtlinien und Gesetzen ergeben, lässt sich das weitere Vorgehen und die Antworten ableiten.

In vorliegendem Fall können die Antworten folgende Themen beinhalten: Die Auswahl des Bodenbelags und der Verarbeitung, der Möbel, der Wandbeschichtung, die Trennung und Benennung von Arbeitsbereichen, die Lüftung- und Klimatisierung – die Auswahl der verwendeten Reinigungs- und Desinfektionsmittel, die Handhabung dieser durch geschultes Personal mit entsprechender persönlicher Schutzausrüstung – die Verfahrensanweisung in schnell verfügbaren Dokumenten sowie Dokumentation der Ergebnisse in entsprechend einfach aufgebauten Formularen – die Ergebniskontrolle mittels regelmäßiger interner oder externer Prüfungen – die Wiederholung des Prozesses und die Auswirkung auf die Gesundheit.

Folgend, aufgrund unserer praktischen Erfahrung ein paar hilfreiche Tipps für den Praxisalltag:

  1. Geräte

Hier besteht erhöhter Dokumentationsbedarf: Verfahrensanweisungen, Formulare Gerätehandbücher, Bedienungsanleitungen, Sicherheitsdatenblätter, Schulungsdokumentation, Wartungshistorie und -dokumentation, Prüf- und Inspektionsberichte, unabhängige Qualifizierungsgutachten, Kalibriernachweise, Berechtigungen, Chargendokumentationen – Eine Vielzahl von Dokumenten müssen verwaltet und zugänglich gemacht werden. Streben Sie an, diese Dokumente von Anfang an gemeinsam zu verwalten und zu archivieren.

  1. Bauliche Ausführung

Achten Sie auf eine einfache und praktische Raumausstattung! Glatte, abwischbare Flächen sind leichter zu desinfizieren, wenig horizontale Flächen verhindern Staubablagerung und verringern den Reinigungsaufwand, vertikale Verblendungen von ungenutzten und schwer erreichbaren Leerräumen, wenige Winkel und Designelemente (erschwerter Reinigungsaufwand), Trennung von reinen und unreinen Bereichen (bessere Nachvollziehbarkeit und Dokumentation), Hygieneheizkörper (erleichterte Reinigung und Desinfektion), medizinische Waschbecken und Patientenduschen, oder auch der Einbau von Fliegengittern. Halten Sie Ihre Wasserkreisläufe „im Fluss“ und prüfen Sie sie regelmäßig. Eine Verkeimung kann einerseits PatientInnen und MitarbeiterInnen gefährden, aber andererseits auch zu kostenintensiven Gerätedefekten führen. Benennen Sie Ihre Räumlichkeiten umsichtig und konform mit den entsprechenden Richtlinien (OP, Eingriffsraum, Behandlungsraum, etc.), die Benennung hat eine Auswirkung auf die bauliche Ausstattungsanforderung.

  1. Alltägliches

Die Kaffeemaschine neben dem Endoskop-Reinigungsbecken, die offene Lagerung von Endoskopen in der Personalküche, die missbräuchliche Verwendung medizinisch genutzter Geräte (z.B. Mittagsjause im Medikamentenkühlschrank) – versuchen Sie die Arbeitsbereiche strikt zu trennen, und auch im Falle eines (erfreulichen) Wachstums der Ordination ihre Standards einzuhalten.

  1. Recherche & Abklärung

Viele der relevanten Vorgaben finden Sie mittlerweile online. Sei es die Hygieneverordnung der Ärztekammer, die Richtlinien der Magistratsabteilungen der Stadt Wien, die Leitlinien und Positionspapiere der ÖGSV, ÖGHMP oder weiterer Fachverbände, oder die entsprechenden Gesetze und Verordnungen. Die Sammlung ist sehr umfangreich, aber leider nicht immer kongruent und nachvollziehbar, bei Fragen wenden Sie sich rechtzeitig an eine unabhängige und fachlich qualifizierte Stelle – oftmals ist dies der einfachste Weg zu verlässlichen Informationen. Als Ordinationsbetreiber und Arzt/Ärztin sind Sie verpflichtet, Hygiene- und Qualitätsstandards nach aktuellem Stand der Wissenschaft und/oder Regeln der Technik einzuhalten – vermeiden Sie es, hier in eine Grauzone zu tappen.

Auch wenn dieser Einblick nur kurz, und der Weg zu einem umfassenden Qualitätsmanagement von dieser Basis noch weit ist, soll dies doch ein Anreiz und Anstoß sein, diesen Weg auf sich zu nehmen. Die Möglichkeiten sind vielfältig und das Potential zur Verbesserung immer vorhanden.

 

Damit ihr Qualitätsmanagement erleichtert wird, habe ich doqist gegründet, die logische QM-Software für den niedergelassenen Bereich. Informieren Sie sich hier.

 

Philipp Hinteregger, Geschäftsführender Gesellschafter der akkreditierten Prüfstelle Hygienezentrum Dr. Sturm GmbH, Inspektor für Geräte und Verfahren zur Aufbereitung von Medizinprodukten bei der akkreditierten Inspektionsstelle W.H.U. GmbH, zertifizierter Qualitätsmanager und Auditor für QM-Systeme nach EN ISO 17025 und EN ISO 17020.

 

Disclaimer Equip4Ordi: 
Für den Inhalt ist Philipp Hinteregger selbst verantwortlich.